Sonntag, 8. Mai 2016

Exodus auf dem Campus...

Wolltet ihr immer schonmal wissen, wie sich eine Zombieapokalypse anfühlt?!? Wenn ja, dann wäre das jetzt euer Zeitpnkt auf dem Campus hier!
Letzte Woche waren Abschlussexamina und am Freitag ist das Frühlingssemester zu Ende gegangen. Für viele heißt es jetzt das Wort was deutsche Studenten teilweise nicht kennen: Sommerferien! Von jetzt bis Anfang September! Das sind fast 4 Monate ohne Uni! Ich habe daraufhin  mein Studium und meine Ferienzeit kurz reflektiert, habe mich in meinem Zimmer eingeschlossen und ein Klagelied angestimmt!
Wobei man sagen muss, dass die meisten hier nicht nur vier Monate gammeln. Für viele geht es zwar nach Hause, dort werden sie aber die meiste Zeit arbeiten um das sehr teure Studium hier zu finanzieren. Teilweise gehen Leute jetzt auch ein ganzes Jahr arbeiten um ihre Schulden von zwei Jahren Studieren einigermaßen loszuwerden und dann wollen sie wieder mit dem Studieren anfangen. Oder ein Jahr in die Army und dann mal sehen, ob man lieber beim Militär bleiben will oder zurück an die Uni. Alles etwas anderst als in good old Germany!
Auf jeden Fall haben seit Freitag so gut wie 95% aller Studenten ausgecheckt und wurden teilweise von ihren Eltern abgeholt oder haben ihre Sachen irgendwo verstaut und sind mit dem Flugzeug heim. Mein Studentenwohnheim wirkt deswegen gerade etwas leer und ich genieße die letzten Stunden mit den "Restbeständen", die auch bald gehen. Aber es gibt auch positive Dinge am großen Exodus: Im Waschkeller gibt es eine Ecke, die sogenannte Swap-Box, in der jeder Dinge hinschmeißt die er nichtmehr braucht oder mit dem Flugzeug nicht mitnehmen kann. Ich habe ein freshes UAF-T-Shirt und ein Buch ergattert. Und gaaanz viele Kleiderbügel. 
Aber auch verhungern muss man diese Tage nicht! Wie schon erwähnt müssen sich die Studenten anfang des Semesters ein Essenspaket im Wert von 1000$ bis 2000$ kaufen und dann während dem Semester aufbrauchen. Das Lustige: Wenn das Geld nicht reicht kann man nochmal aufladen, aber nicht weniger als 200$ und wenn das Semester vorbei ist und man noch Guthaben auf der Karte hat, so verfällt dieses. Deswegen war es in der letzten Woche keine Seltenheit, dass jemand noch Geld übrig hatte und einfach eine Pizza gekauft hat und sie verschenkt hat. Ganz krass war irgendein Typ der einfach mal 14 Pizzen (!!!) gebracht hat, weil er noch so viel Geld übrig hatte. Uns alle hats gefreut!
Verlässt jetzt aber jeder den Campus?
Da es aber auch sogenannte "summer classes", also Vorlesungen im Sommer gibt, bleiben auch ein paar Studenten hier. Von den circa 30 Leuten die ich mittlerweile beim Namen kenne und mit denen ich als abhänge, bleiben genau zwei Stück hier. Stafford und Ben. Aber die sind dafür umso cooler drauf und wir haben schon Pläne für den Sommer gemacht.
Insgesamt wird es mir aber bestimmt nicht langweilig werden. Alle Studenten die bleiben und auf dem Campus wohnen werden in mein Studentenwohnheim, also Bartlett-Hall, gebracht. Da sind dann die letzten 300 tapferen Recken und die sollten das Wohnheim schon mit Leben füllen. Der Campus hingegen wird leer sein und die Öffnungszeiten von Snackshops und Bibliothek und so weiter wird auch etwas eingeschränkt sein. Wird aber alles werden.
Ich habe schon genug Leute in der Stadt kennen gelernt und mit meinem Auto bin ich ja super flexibel!

Es bleibt festzuhalten, dass ich gerade ein paar Leute kennengelernt habe und die jetzt alle nacheinander abhauen... Ist schon etwas traurig, aber alles wird gut. ;)
Zum Schluss wieder ein paar Bilder:

Die Swap-Box. Mittlerweile ist sie doppelt so groß und wird morgen geräumt.

Alles muss raus! Man versucht einfach Spaß zu haben.

Gestern war noch eine kleine Party in einer Cabin mit Outhouse (Plumpsklo).
Mitten im Wald, ohne Licht und einem tiefen Loch... #TheRing

Mein (zweites) Auto oder "Wie ich Alaskas Strassen erobere!"

Wie ich schon in einem vorherigen Post geschrieben habe ist in Fairbanks alles so unvorstellbar weit auseinander, dass man zwangsläufig ein Auto braucht, wenn man Lebensmittel einkaufen will oder einfach etwas erleben will.
Deswegen habe ich mir letzte Woche ein Auto gegönnt. Einen 2004 Subaru Impreza Outback. 165PS, Schaltgetriebe, was hier nicht selbstverständlich ist, und Allradantrieb, was hierneben fast jedes Auto hat. Insgesamt ein solides Auto mit dem man perfekt sowohl in der Stadt als auch auf matschigem Terrain rumrutschen kann und dabei durch das Schaltgetriebe noch ein bisschen Spaß hat.
Insgesamt läuft der Autokauf in Alaska etwas anderst ab als in Deutschland. Hierneben gibt man an, ob das Auto Allradantrieb hat, unfallfrei ist und die Meilenzahl. Das sind die drei Hauptkriterien für ein Auto hier. Motoreigenschaften wie die PS-Zahl wissen die Autohalter meistens selbst nicht. Es fährt eben und damit ist es gut.
Bevor ich mich für meinen Subaru entschieden habe bin ich einen Ford Ranger Probe gefahren. Das ist ein kleinerer Pick-Up und eigentlich zum Erfüllen aller Ami-Klischees Pflicht! Allerdings hat mir das Auto überhaupt nicht zugesagt. Automatik fahren ist langweilig und der Ford war einfach nur langsam und total träge. Da wird Autofahren eher zur Qual als zum Erlebniss.
Also habe ich in der Woche darauf mich in den Subaru verguggt und bin bisher sehr zufrieden mit meiner Wahl! Das Auto sah allerdings innen aus wie Sau und es sind Kleinigkeiten zu reparieren. Aber das ist meine Samstagsbeschäftigung und dann kann ich das Auto hoffentlich für etwas mehr verkaufen als ich es bekommen habe. Bisher habe ich die Batterie ersetzt, eine Sicherung für die Lichter vorne rechts und gerade baue ich die Mittelkonsole aus um den Getränkehalter und den Radio zu fixen. Der Vorbesitzer hatte wenig Plan davon und hat das Auto leider etwas verkommen lassen, was es aber billiger gemacht hat.

Objekt der Begierde! Mein Subaru!
Letzte Woche hat ein Kumpel von mir mich gefragt, ob ich ihn zu Walmart fahren kann, da er etwas gebraucht hat. Dann habe ich ihm gesagt, dass ich ihm vertraue und ich ihm mein Auto leihen würde. Er hat sich gefreut wie ein Schneekönig, dass er Auto fahren durfte, holte seinen Führerschein und bekam von mir die Schlüssel und ging zum Auto. Vier Minuten später stand er wieder da und schaute etas betröppelt. Ich fragte:" Gibt es ein Problem? Springt er nicht an?" (Ich hatte nämlich morgens die Batterie gewechselt, da sie am Ende war). Seine Antwort war: "Das ist ja ein Schaltwagen! Den kann ich nicht fahren!". Also hab ich ihn zu Walmart gefahren. 
Auf dem Weg zu Walmart hat er mich dann gefragt, ob ich ein "Tailgater" bin. Dieser Ausdruck wird für Menschen benutzt, die zu dicht auffahren. Ich hatte allerdings gut 25 Meter zum Vordermann bei knapp 50km/h, also ne halbe Tacholänge und damit deutsche Norm! Aber da hier soviel Platz ist und die Pick-Ups relativ lang zum Bremsen brauchen ist man hier mit ner halben Tacholänge Abstand ein "Tailgater" und lässt lieber mal ne ganze Tacholänge Abstand.
Im Walmart habe ich dann über sein Bild auf seinem Alaska-Führerschein gelacht und er wollte meinen Alaska-Führerschein sehen. Als ich ihm sagte, dass ich keinen habe wurde er kreidebleich und hat mich gefragt, ob ich spinne hier illegal zu fahren und ihn mitzunehmen! Ich fahr aber natürlich nicht illegal sondern mit meinem deutschen Führerschein, der hier eine Gültigkeit von bis zu 90 Tagen hat. Dann brauche ich einen Alaska-Führerschein.
Dafür habe ich letzte Woche als ich mein Auto angemeldet habe schon den Theorietest gemacht. Ich bin um 8:30am in die Fahrzeugmeldestelle rein, hatte nach 10 Minuten mein Auto für 15$ angemeldet, nach weiteren fünf Minuten kostenlos meine schriftliche Führerscheinprüfung abgelegt gehabt und innerhalb von weiteren 5 Minuten und für nur 15$ einen Termin für meine praktische Fahrprüfung am 03. Juni ausgemacht gehabt. Um 9 Uhr hatte ich das Gebäude wieder verlassen und bin aufgrund mangelnder Busverbindung (hätte 90 Minuten warten müssen) 3,5miles oder 5,6km ins Geschäft gelaufen. Also: Auto ist hier Pflicht! Noch ein Wort zur schriftlichen Prüfung: Die war so einfach, dass es fast schon lächerlich war. Man bekam 20 Fragen aus einem Pool von 40 Fragen und musste 16 Fragen richtig beantworten. Das Ganze konnte man auf einem "Drivers-Manual" von 10 Seiten vorher durchlesen oder wie ich einfach exakt die Prüfung im Internet machen. Also exakt die Prüfung! 30 Fragen sind selbstverstädnlich, 5 muss man einmal gesehen habe und die anderen 5 musste ich mehrmals sehen aber dann konnte ich die auch. Also eine Stunden gelernt und das wars. Und wenn man durchfällt muss man einen Tag warten und man kann die mündliche Prüfung nochmal machen. Also echt kein Hexenwerk. 

Zurück zu meinem Auto: Der Vorbesitzer hat mir mit dem Auto einen Satz Winterreifen übergeben. Die waren aber dreckig wie Sau! Also habe ich sie heute mal geputzt, eingetütet und dann in mein Zimmer in den 8. Stock geschleppt. Beim Putzen in der Waschgarage kam aus dem Dampfstrahler etwas total Komisches raus! Sah aus wie Mountain Dew! Schaut euch einfach die Bilder an, die ich euch wie immer ans Ende stelle und etwas kommentiere.

Halten wir also fest: Der Eike fährt hier jetzt einen Japaner, den es für seinen Zustand relativ preiswert gab und den er jetzt etwas herrichtet.


Und das Beste: Ich bin wohl einer der wenigen 20-Jährigen, der zwei Auto zum selben Zeitpunkt besitzt. Wobei mein Subaru hierneben  von der Performance und vom Fahrspaß nichtmal annähernd an meinen Golf in Deutschland rankommt. Den ich übrigens nur zugern mit hierhergenommen hätte. Dann hätte es aber Tickets gehagelt. Aber ja, ich vermisse ihn.
Vor allem mein im Golf angeeignetes Denkmuster fürs Schalten birgt für den Subaru eine potentielle Gefahr! Denn wo im Golf der 6. Gang ist, in den mein Kopf auch bei einem 5-Gang-Schaltgetriebe automatisch schalten will, ist hier der Rückwärtsgang. Bisher habe ich es aber immer spätestens beim Schaltknüppel ertasten gemerkt und noch nicht den Rückwärtsgang reingefranzt. Der Motor ist also noch wo er hingehört. :D

PS: Das Benzin hier ist spotbillig! Eine Gallone, das sind 4,546 Liter, kostet gerade mal 2,60$! Das sind 2,28€ für eine Gallone oder 0,57€ pro Liter! In DM wären das gerade mal 1,14DM!!! Also unvorstellbar billig!


Der Subaru hat ein "Alaskan Windshield". Das bedeutet Dellen und Risse...

...dass sogar Carglas nichtmehr helfen kann. Ist hier aber legal.

So hat der Vorbesitzer mir die Reifen übergeben. Ist hier aber normal.

Das "Wasser" kam so grün aus dem Hochdruckstrahler raus.
Frisch importiert aus Tschenrobyl. Hat die zentimeterdicke Dreckschicht weggeätzt!

Sehr verwirrend, da anderst als in meinem Golf.
3000 Umdrehungen kann man schonmal für 30mph halten. :p
 

Donnerstag, 5. Mai 2016

Oh my German! - Oh my English!

Morgen sind es nun 5 Wochen, die ich schon in Fairbanks bin. Man kann also von "eingelebt" reden.

Durch das Internet und ständige Kommunikation in die Heimat ist es mir aber noch nichts so ganz gelungen, meinen Alltag und meine Gedanken nur auf Englisch zu leben. Im Moment bin ich ein Hybrid-Produkt beider Sprachen! Um euch aufzuzeigen, woran man das merkt, hier mal ein paar Praxisbeispiele:

1) Gefangen im deutsch-englischen Netz:
Auf der Arbeit ist natürlich alles englischsprachig. Die wissenschaftlichen Paper die ich lese, die Unterhaltungen die ich führe, die Gefahrenschilder die ich lese und den Papierkram den ich erledigen.
Neben diesen rein englischsprachigen Tätigkeiten rutscht die Hand aber immer mal wieder zum Handy aus und man ist schneller in Whatss-App drin als man denkt! Und beatnwortet mal hier und da eine Nachricht. Natürlich auf Deutsch, weil alle Kontakte in Whats-App nach Deutschland gehen. Die nächste SMS die man bekommt ist dann von Freunden aus Alaska und man wechselt zu Englisch nur um dann die nächste neue Whats-App zu beantworten. Es ist ein kleines hin und her zwischen beiden Sprachen. Aber ich komme immer besser damit klar.
Da ich während der Arbeit beim Bearbeiten von SAR-Bildern auch manchmal ein bisschen Musik höre rutscht auch mal das ein oder andere deutsche Lied aus meiner Playlist rein. Deutsch schreiben und englisch Musik hören ist man aus Deutschland gewohnt. Aber englisch lesen und schreiben und deutsche Musik ist am Anfang etwas ungewöhnlich. Klappt aber auch!
Bitte denkt jetzt aber nicht, dass ich im Büro nur Musik höre und Whats-Appe. Meistens bin ich von 8 Uhr bis 17:30 Uhr im Büro und dann kommt die ein oder andere Pause zustande. Whats-App ist eh um 12 Uhr rum, da dann in Deutschland 22 Uhr ist und jeder ins Bett geht.
Aber das Härteste ist die Tastaturumstellung. Im Büro eine amerikanische Tastatur und zu Hause an meinem eigenen Labtop eine deutsche Tastatur. Ist eigentlich kein so großes Problem, da sie relativ identisch sind. Nur die Sonderzeichen sind anderst und z und y sind vertauscht. Letzteres machte mir anfangs sehr zu schaffen, ist mittlerweile aber auch Routine. Mein Kopf weiß wo ich bin und benutzt automatisch die richtige Tastatur.
Ich sollte mal den Selbsttest machen und mein eigenes Labtop mit ins Büro nehmen.

2) Der Waschküchenvorfall:
Durch die Tatsache, dass mich hierneben so gut wie niemand versteht, kann ich nach Herzenslust auf deutsch fluchen oder Selbstgespräche mit mir führen. Wenn zum Beispiel etwas lustiges passiert oder ich etwas lustiges sehe und es mit einem deutschen Schmankerl kommentieren könnte versteht es natürlich niemand. Deswegen rede ich mit mir selbst, lache dann über meinen deutschen Witz und freue mich. Diese Methode befindet sich irgendwo zwischen brilliant und erbärmlich. Aber ich hab meinen Spaß. Mein Wortwitz auf Englisch ist nämlich leider noch nicht so ausgeprägt wie ich es gerne hätte und ich vermisse deutsche Kommentare auf stupide Szenen. :p
Kommen wir zum Waschküchenvorfall. Ich habe diese Woche gewaschen. Waschen heißt hier 6 Waschmaschinen und 9 Trockner für 300 Studenten in einer Waschküche. Also immer gut was los. Das Positive ist, dass die Waschmaschine ziemlich exakt 30 Minuten braucht bis sie fertig ist. Also stellt man sich den Wecker auf 26 Minuten, geht gemütlich runter und ist pünktlich für seine Wäsche da. Für Leute, die Probleme haben 30 Minuten von 3 Stunden zu unterscheiden gibt es einen Tisch im Wäschekeller. Ist die Waschmaschine fertig und es kommt niemand um die Wäsche zu holen darf man die Wäsche aus der Maschine herausnehmen und auf den Tisch werfen. Hört sich chaotisch an, ist es auch! Am Wochenende liegen auf dem Tisch gut und gerne 10 Ladungen Wäsche. 
Auf jeden Fall bin ich in den Waschkeller gekommen und alle 6 Waschmaschinen waren fertig. Da ich kein Unmensch bin habe ich gedacht: "Mensch Eike, jetzt wartest mal 5 Minuten und dann wird schon einer auftauchen und dann hast deine Waschmaschine ohne Probleme." Nachspielzeit für Menschen ohne Zeitgefühl sozusagen.
Es kam natürlich niemand. Vor der einen Waschmaschine stand ein Wäschekorb. Daraufhin habe ich haarscharf kombiniert, dass dieser Wäschekorb bestimmt zur Wäsche in der Maschine gehören könnte und habe ohne schlechtes Gewissen die Wäsche in den Korb getan und ihn unter den Tisch gestellt. Danach bugsierte ich meine Wäsche in die Maschine und ging rüber ans Waschbecken um meine Schuhe zu putzen.
Das Schöne an fremde Waschmaschinen ausräumen ist, dass man die Wäsche von anderen anfassen muss. Achtung, IRONIE!!! Denn das ist bei Unterwäsche wohl das Ekligste was man sich vorstellen kann! Von fremden die Unterwäsche anzufassen! Verschlimmert wird dieser Effekt nur durch die Tatsache, dass die Person der die Wäsche gehört Elefantismus haben muss! Ich war mir nicht sicher, ob ich da einen Schlüpfer oder ein Zirkuszelt herausgeholt habe!!! Wollte es aber auch nicht näher wissen...
Weiter im Text, ich schweife ab! Ich hab dann meine Schuhe geputzt und nach 15 Minuten ist dann die Besitzerin mit ihrem Freund oder Schoßhund oder Clown (unidentifizierbar) in den Wäschekeller gekommen. Als sie gesehen hat, dass "ihre" Waschmaschine schon wieder lief und ihre Wäsche sich wohl nicht mehr drin befindet ist sie mal fresh ausgerastet, hat da unten rumgezetert und ist zur Waschmaschine hin, hat sie aufgerissen und vor Wut meine Wäsche rausgeschmissen! Auf den Boden!
Da sah ich dann rot. Innerhalb von Milisekunden hatte ich Betriebstemeperatur. "Jetzt ist Schicht im Schacht! Jetzt ist Ramba-Zamba! Jetzt ist hier Achterbahn" habe ich meine innere Stimme sagen hören. Und das war es auch. Da es doch alles relativ schnell ging und ich intuitiv handelte kam mein deutscher Teil zum Vorschein. Ein "Hey! Hackts eigentlich?!?" zeigte ihr und ihrem Begleiter meine Präsenz. Sie wirkte leicht irritiert, hielt für 10 Sekunden still und fing dann wieder das Zetern an. "Wo ihre Wäsche sei?" war ihre Frage in einem doch recht rauen Ton. Das war für mich der Startschuss für eine lustige kleine Session. Denn wie man in den Wald hineinschreit, so kommt es wieder raus. Ich gab ihr dann in drei kurzen Sätzen zu verstehen, dass ihre Wäsche im Korb unter dem Tisch ist, man sich den Wecker auf 30 Minuten stellen kann um solche Probleme zu vermeiden und das es assozial ist laufende Waschmaschinen aufzureissen und die Wäsche darin rauszuschmeißen.
Irgendwie wollte sie dann wieder anfangen, machte den Mund auf und sah wohl schon mein Strahlen in den Augen nach dem Motto "Ja, komm, eine Runde geht noch!" und entschied sich nach kurzem Stottern doch dagegen. Dann gabs von ihr noch ne verbale Schelle gegen ihren Pantoffelhelden, der sich brav zurückgehalten hat und sie ist dan schnaubend abgedampft. Sieg auf ganzer Linie für mich! Auch wenn ich aus Sicherheitsgründen während meine Wäsche lief noch im Waschkeller blieb. Man weiß ja nie.
Auf jeden Fall bleiben zwei Dinge festzuhalten: 
1.) Intuitive Reaktionen laufen noch auf Deutsch ab. Wenn es schnell gehen muss und man sich auf die Automatismen verlassen muss...
2.) Die Waschküche hat eine prima Akkustik! Schade dass da kein Orchester reinpasst! Würde sich da prima machen! Bevor ich gehe werde ich auf jeden Fall nochmal eine kleine Schrei-Session da unten machen!

3.) Das große Spiel
Letzte Geschichte. Wie ihr eventuell schon aus dem Titel erkennen könnt geht es um ein Fußballspiel zu dem ich von einigen Freunden hier eingeladen wurde. 8 gegen 8. Also eine gute Zahl für ein schönes Spiel. Allerdings waren alle Frezeitkicker und damit sollte es kein Spitzenspiel werden. Auch war der Platz eher ein Acker (Schlimmer alls alle Sportplätze auf denen ich bisher gespielt oder trainiert habe!!!) und tat somit den Rest. Aber es sollte Spaß machen, das war wichtig.
Da ich der Einzige war, der einen Ball über 10 Meter am Fuß führen konnte und nen einigermaßen geraden Pass spielen konnte wurde ich lustigerweise von drei Mann gedeckt und als äußerst torgefährlich eingestuft. Das erste Mal in meinem Leben. Ich hab mich gefreut wie ein Schneekönig! :D
Also gings für mich in die Abwehr. Meistens alleine gegen 5 Mann. Meine Mannschaft dachte irgendwie, der wird es schon richten. Hatten sie bis auf ein Gegentor auch nicht Unrecht. So war einer der gegenrischen Stürmer ein U.S. Army Soldat, groß, muskulös, spörtlich. Eine Person, der ich körperlich total unterlegen war. Allerdings startete er jeden Zweikampf mit mir mit einem Angstschrei und den Worten "Oh my God! The German Guy is coming!" und hatte mental den Ball schon verloren. Er gab mir immer wieder zu verstehen, dass er ja eh keine Chance hat da ich Deutscher bin und somit zum Fußballspielen geboren bin und unbezwingbar bin.  Wie gesagt, ist mir noch nie in meinem Leben passiert. Auch wenn es positiv war fühlte es sich komisch an so abgestempelt zu werden. :D
Aber er hatte ein Stück weit recht. Als alleiniger Abwehrspieler und einem halbwegs geschulten Augen konnte ich die Defensivaktionen koordinieren und den ein oder anderen Pass bis in die Spitze spielen. Mein Glück war, dass von den Gegnern keiner ein Auge für mögliche Passwege oder Laufwege hatte und somit immer massig Platz war. Ich, Eike-Manuel Simon Bansbach, lebenslänglicher Teammotivator und Stammplatzhalter auf der Auswechselbank, wurde als Zauberer und Hexer dargestellt, obwohl ich echt nur zwei bis drei leichte Pässe gespielt habe.
Auf jeden Fall wurden kritische Aktionen von mir immer knapp und gewohnt kommentiert. "Hintermann", "Linie", "Zieh ab!", "zieh!" und "Seitenwechsel" waren zu häufig meine Worte. Auch wenn es vorm Tor nicht klappte entweichte ein "Tsefixelujah!" oder "Kreuzbataillonnochamol" meinem Mund. Fußball bleibt eben deutsch...

Fazit:
Der Bub lebt ein Hybridmodell aus Deutsch und Englisch. Intuiutive Reaktionen, Wortwitze und Fluchen läuft auf Deutsch ab. Der Rest wird alles brav auf Englisch erledigt und es fällt mir auch von Tag zu Tag leichter! Ich merke selbst meine Fortschritte vor allem im schriftlichen Englisch und bin auch etwas stolz drauf! Das Verstehen von anderen Personen mit krassem Dialekt ist allerdings noch problematisch. Es spricht eben niemand so klar und deutlich wie auf den Englisch-CD's in der Schule. Aber das wird auch immer besser.